…Fernweh…
Das ist das, was uns wohl ständig antreibt, immer wieder hinaus in die Welt zu reisen. Unsere letzte Reise liegt nun schon wieder fast ein Jahr in der Vergangenheit und den Kontinent verlassen, das haben wir das letzte Mal vor 4 Jahren, als wir Borneo entdeckt haben. Nicht nur der innere Abenteurer kitzelt uns, sondern auch die Sehnsucht nach ein bisschen Entspannung, nach einem (sehr schönen) aber anstrengenden erstem halben Jahr 2023.
Sehr kurzfristig beschließen wir auf den „Buchen-“ Knopf für einen Flug nach Kairo zu drücken. Ja, es geht wieder nach Afrika!!
Wir fliegen nach Kairo, der riesigen Hauptstadt Ägyptens, um uns ein paar Tage im wilden Stadtleben treiben zu lassen, um anschließend zum Roten Meer nach Safaga zu fahren und jeglichen Stress, der sich in uns angesammelt hat, am Strand auszuschwitzen.
Kairo – Die altertümliche Mega-City
Mitten in der Nacht um 3 Uhr morgens kommen wir am Flughafen an und müssen die Stadt einmal komplett von Osten nach Westen durchqueren, da sich unser Hotel im Stadtteil Gizeh befindet, in der Nähe der bekannten Pyramiden. Die Fahrt dauert !nur! 1 Stunde, doch alleine sind wir dennoch nicht unterwegs. Überall wildes treiben, alle Shops sind geöffnet, es wird gegessen, getrunken, eingekauft, zum Friseur gegangen…. Nachts um 3 Uhr!!
Am Hotel angekommen sind wir sehr erschöpft, da wir viele Stunden mit Zwischenstopp in Jordanien unterwegs waren, doch der Blick im Hotel entschädigt. Unser Zimmer ist sehr einfach, klein, aber hat dafür eine eigene Terrasse im 14. Stock, mit grandiosem Blick auf die Pyramiden von Gizeh!! Und ja, uns haut der erste Blick auf die Pyramiden echt um. Wir haben vermutet, dass wir etwas weiter entfernt sind, aber sie sehen auch vom Zimmer aus gewaltig aus!


Von hier aus entdecken wir an 4 Tagen die Großstadt. Wir besuchen natürlich die großen Sehenswürdigkeiten, doch schlendern auch einfach so durch die Gassen und lassen alles auf uns wirken.
Gizeh
Da wir mitten in dem Stadtteil wohnen, erkunden wir zuerst die Umgebung rund um das Hotel. Wir sind total überrascht, da wir uns Kairo doch anders vorgestellt haben. Anders im Sinne von „westlicher“, „sauberer“ und weniger chaotisch. Uns gefällt es, wie „ursprünglich“ hier alles abläuft, wenn uns auch die Armut, die man unmittelbar auf den Straßen beobachten kann, nachdenklich macht. Durch die Gassen drängeln sich hunderte Tuk-Tuks, die laut hupend auf sich aufmerksam machen. Für wenige Cents fahren sie Personen von A nach B. Das Leben findet, wie in so vielen „warmen“ Ländern draußen statt. Vor den Häusern wird Essen verkauft, gehandelt, Sisha geraucht und gemeinsam gespielt.




Was uns wundert ist, dass obwohl wir in unmittelbarer Reichweite der größten Sehenswürdigkeit Ägyptens sind, den Pyramiden, wir so gut wie keine Touristen treffen. Unser Hotel ist in Laufreichweite der Sphinx, doch sind wir gefühlt die einzigen Europäer, die durch die Gassen schlendern. Wenn man es nicht wüsste, würde man überhaupt nicht auf die Idee kommen, dass hier gleich nebenan ein Weltwunder steht. Wo sind denn alle Touristen? Bis jetzt wissen wir es nicht… Fakt ist, wir mögen es, nicht mitten im „Massentourismus“ zu sein…
In Gizeh gibt es neben den Pyramiden, die wir erst am nächsten (Wochen-)Tag statt am Wochenende erkunden wollen, das nigelnagelneue „Grand Egyptian Museum“, das wir, oder mehr Lukas, unbedingt besichtigen möchte. Aufgrund mangelnder Recherche wussten wir noch gar nicht, dass das neue Museum noch nicht eröffnet wurde. Dennoch dürfen wir in die große Eingangshalle und bekommen eine kleine Führung, bei der wir etwas über den Bau des Museums und der Architektur erfahren. Sobald das Museum geöffnet wird, wird das eins der größten Museen überhaupt werden.


Am Tag drauf ist es soweit und wir möchten die Pyramiden von Nahem sehen. Auf dem Weg zu den Pyramiden noch direkt beim Hotel spricht uns ein Mann an, der uns offensichtlich als Touristen „enttarnt“ und möchte uns eine Tour zu den Pyramiden verkaufen. Durch ein bisschen Internetrecherche wie viel alles so ungefähr kostet wissen wir, dass er uns tatsächlich ein vernünftiges Angebot macht und so sehen wir uns 5 Minuten später in einer kleinen Pferdekutsche zu den Pyramiden fahren. Wir entscheiden uns dafür, mit einem Kamel bis hinter die Pyramiden zu einem Panoramapunkt zu reiten, um von dort aus zu Fuß an den Pyramiden entlang zurück bis zur Stadt zu laufen. Für unseren inneren moralischen Kompass ist es „okayyy“, auf einem für den Tourismus ausgebeuteten Kamel zu reiten, da es den Menschen vor Ort nicht gerade viel besser geht. Wir lassen gerne ein bisschen Geld da, damit die Menschen etwas verdienen…
Etwa eine halbe Stunde reiten wir entlang den Pyramiden auf einen Hügel und können uns einfach nicht satt sehen. Das Szenario ist wirklich toll. Riesige uralte Gebilde mitten im Sand. Rechts daneben die bis zum Horizont reichende Großstadt. Alles zusammen hat schon ein bisschen was Mystisches. Wir haben mit Massen an Touristen gerechnet, ähnlich wie beim Eiffelturm, oder London, oder schiefen Turm von Pisa. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. All die Bilder sind nicht bearbeitet und nicht super gestellt oder so. Hier sind einfach nicht so viele Leute!!







„Die Pyramiden von Gizeh muss man mal gesehen haben!“
Den Satz können wir unterzeichnen. Wir fanden den Besuche wirklich klasse und absolut sehenswert!! Dass Kairo touristisch nicht „mehr rausholt“ verstehen wir nicht. Die Eintrittspreise sind im Verhältnis sehr gering und die Bauwerke wahre Weltwunder, auch in der Moderne. Wir würden es Gizeh und den Bewohnern „gönnen“, durch die Pyramiden mehr Wohlstand zu erlangen.
Noch am gleichen Tag wollen wir uns anschauen, was denn damals alles in den Grabkämmern der Pyramiden gefunden wurde. So fahren wir mit einem Taxi in die Innenstadt bis ans Ägyptische Museum, das bis unters Dach voll mit Grabschätzen und sonstigen Funden aus dem antiken Ägypten ist. Beeindruckend sind neben den bekannten Goldschätzen des Tutanchamun vor allem die überraschend gut erhaltenen Mumien. Für Personen, die sich besonders für die ägyptische Geschichte interessieren, muss das hier das Schlaraffenland sein.

Kairo Downtown
Die zwei restlichen Tage erkunden wir die Innenstadt Kairos östlich des Nils. Wir kaufen uns nun doch noch eine SIM-Karte, um mit Hilfe der App „Uber“ die Stadt unsicher zu machen. Mit Uber kann man Taxifahrten buchen und zwar mit Festpreisen, der viel günstig als die Preise sind, die wir sonst als Touris bekommen. Zum Vergleich: Bei der ersten Fahrt gestern vom Hotel in die Innenstadt zum Museum (ca. 20km / 1 Stunde) bezahlten wir mit einem Straßentaxi 200 Ägyptische Pfund (6€). Mit Uber zahlen wir genau die Hälfte, also 100 Pfund oder 3€ für die gleiche Fahrt.
In der Innenstadt gibt es viel zu sehen, unsere Highlights sind verschiedene Moscheen, der Al-Azhar Park, das ägyptische Museum und natürlich der große Chan el-Chalili Basar.
Am ersten Tag besuchen wir die Sultan-Hasan-Moschee. Zu der Bauzeit der Moschee um 1360 war sie die größte Moschee der Welt. Auch heute ist sie noch groß, aber wie wir finden, nicht wirklich beeindruckend. Von außen ist sie dennoch sehenswert.


Nach dem ganzen Rummel und den Eindrücken der letzten Tage wollen wir im Al-Azhar Park eine Pause einlegen. Und das gelingt. Der Park ist der erste Ort in Kairo den wir finden, der wirklich sehr gepflegt und vor allem ruhig ist. Das laute Gehupe reicht nicht bis in die Mitte des Parks, wo wir eine echte Oase für uns finden. Hier ist ein kleines aber wunderschönes Restaurant im orientalischen Stil. Im Eingangsbereich befindet sich ein kleiner Mosaik-Brunnen aus Marmor, von dem aus die Aussicht durch die Arkaden bis zur Moschee Mohammed Ali reicht. Wirklich traumhaft! Hier bleiben wir einige Stunden, trinken Limetten-Minze-Saft, türkischen Kaffee und testen uns durch alle vegetarischen Möglichkeiten der Speisekarte.



Nach der erholsamen Mittagspause im Park gehen wir weiter zum Chan el-Chalili, ein großer Basar mitten in der Stadt. Der Basar ist aufgeteilt in ein (touristischeres) Viertel mit allerlei Souveniren, Kleinhandwerk und Kunst, einem Viertel mit Kleidungsstücken und einem Viertel mit Nahrungsmittel, Obst/Gemüse, Gewürze und Vieh. Soweit wir das große Areal überblicken konnten… Typischerweise ist hier eine Menge los (nicht Touristen, auch hier sind kaum Touristen) und wir lassen uns treiben…






Kulinarisch haben wir uns voll und ganz an Kairo angepasst. Wir essen viel Fladenbrot, das mit allem möglichem gefüllt wird. Tomaten, Auberginen, Humus, Kichererbsen… Doch ein Gericht ist ein „Standard-Gericht“ in Ägypten: „Kushari“. Kushari ist ein Gemisch aus Nudeln, Reis, Kichererbsen, Zwiebeln und Tomatensoße. Es gibt Restaurants, die nichts anbieten außer dem Gericht. Uns schmeckt es gut!

Am Tag darauf, unserem letzten Tag in Kairo, möchten wir die große Zitadelle von Saladin besichtigen, die wir nun schon öfters aus der Entfernung gesehen haben. Innerhalb der Festung ist auch die schon von weitem Sichtbare Mohammed Ali Moschee sowie die Madrasa des an-Nasir Muhammed. Beide Gebäude dürfen auch Nichtgläubige betreten. Die einzige Bedingung ist, die Schuhe vor dem Eintreten auszuziehen. Sowohl die Madrasa als auch die Moschee ist wunderschön.



Da die Festung auf einer Anhöhe liegt, können wir von hier aus die ganze Stadt überblicken. Sogar die weit entfernten Pyramiden sind im Dunst der Stadt zu erkennen.

Die letzten Stunden in Kairo verbringen wir mit einem zweiten Besuch an unserem Lieblingsort im Park und einem 2. Besuch beim Basar, um noch bisschen zu shoppen. Der eigentliche Plan war, nun mit dem Fernbus bis nach Safaga ans Rote Meer zu fahren, wo wir uns ein Hotel gebucht haben. Doch wie es der Zufall will kommt es ein bisschen anders. Mit einem Uber-Taxifahrer in unserem Alter kommen wir ins Gespräch und verstehen uns auf anhieb sehr gut. Bei der Frage, ob er uns ein Busunternehmen für die Fahrt nach Safaga empfehlen kann, überlegt er eine Sekunde und schlägt ganz spontan vor, dass er selbst uns fahren kann! Er rechnet kurz im Taschenrechner hin und her und macht und das Angebot, uns für 70€ ins 7 Stunden entfernte Safaga zu fahren!! Noch während der Fahrt entscheiden wir uns, das Angebot anzunehmen. So sparen wir zwar kein Geld, doch haben keine großen Mehrkosten zum Bus + Hoteltransfer und müssen nicht einmal umsteigen, haben also viel weniger Stress.
Coral Beach, Safaga, Rotes Meer
Die Fahrt zum Roten Meer klappt wunderbar, wir werden (fast) pünktlich am Hotel abgeholt und cruisen ganz entspannt zu dritt 550km auf der Autobahn. Ab jetzt ist der „Abenteuerurlaub“ erstmal beendet. Wir sind in einem kleinen All-Inc.-Hotel südlich von Safaga. Kulturell gibt es hier nicht viel zu entdecken. Das Highlight ist hier das Korallenriff direkt vor dem Hotel.
Zuerst müssen wir tatsächlich einen kleinen Kulturschock verarbeiten. Ganz klares Stichwort hier ist: „Camp David“…
Wir passen uns den Gegebenheiten an und fahren mal komplett runter. Jeden Tag heißt es nun 2 Stunden schnorcheln und Fische gucken, und den Rest der Zeit einfach mal nichts tun… Das tut gut!!





Nun sind bereits die 2 Wochen rum, die wir in Ägypten verbracht haben. Wir sind glücklich, dass wir Kairo besucht haben, um mal wieder ganz andere Eindrücke zu bekommen. Genauso glücklich sind wir über die entspannten Tage am Strand, die wir ganz dringend gebraucht haben…
Morgen geht es zurück nach Deutschland, wo wir Katzenmama und Katzenpapa werden. 🙂
Liebe Grüße aus Ägypten,
Johanna & Lukas
ihr macht das genau richtig…. wir haben – leider keine kleinen Katzen – aber kleine Meisen en masse und 2 kleine Rotkehlchen. Die Passioflora blüht wie jeck…. aber die Bienen sind sehr zurückhaltend. Freuen uns auf ein Wiedersehen im Herbst, herzlich Angelika und der Män aus Köln, alias Sister Jane….
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ihr macht das genau richtig…. wir haben – leider keine kleinen Katzen – aber kleine Meisen en masse und 2 kleine Rotkehlchen. Die Passioflora blüht wie jeck…. aber die Bienen sind sehr zurückhaltend. Freuen uns auf ein Wiedersehen im Herbst, herzlich Angelika und der Män aus Köln, alias Sister Jane….
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