Einmal über den Äquator und zurück

Uganda ist einer der wenigen Länder der Welt, die direkt auf dem Äquator liegen. Diese Gelegenheit, einmal genau zwischen dem Nord- und Südpol zu stehen, lassen wir uns natürlich nicht entgehen und fahren das erste Mal in unserem Leben mit dem (naja, fast eigenen) Auto über die unsichtbare Linie. Unsere Route führt uns vom Kibale Forest (Heimat der Schimpansen) zuerst zurück nach Fort Portal, von dort aus immer Richtung Süden, über den Äquator zum Queen Elisabeth National Park, zum Lake  Bunyonyi, Lake Mburo, Lake Nabugabo und schließlich zurück auf die Nordhalbkugel bis nach Entebbe, wo wir vor einem Monat gelandet sind. Die Karte hilft unseren Weg nachzuvollziehen…

Karte Süden


 

Nach unserem perfekten Tag im Kibale Forest entspannen wir noch einen weiteren Tag auf dem so schönen „Chimpanzee Campground“, lassen unsere Kleider das erste mal „fast professionell“ waschen und nutzen die Zeit, um einen Ausflug zu den nahe gelegenen „Crater Lakes“ zu machen. Von hier haben wir eine gute Sicht rüber zum „Ruwenzori-“ Gebirge, einem bis zu 5100 Meter Gebirgszug entlang des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Leider ist es ziemlich bewölkt, deshalb können wir die ganz hohen, mit Gletschern überzogenen Gipfel nicht sehen… Trotzdem ahnen wir, was sich hinter der Nebel/Wolkenschicht versteckt.

Völlig entspannt, immer noch fröhlich und fasziniert von unserm Schimpansen-Erlebnis, fahren wir am nächsten Morgen zurück nach Fort Portal. Hier wollen wir unsere Früchte- und Wasservorräte aufstocken, aber vor allem einen Reisenden namens „Viktor“ einsammeln, um gemeinsam in den Queen Elisabeth National Park zu fahren. Viktor ist ein Dauer-Reisender, der in den letzen Monaten von Ägypten bis nach Uganda mit nur öffentlichen Verkehrsmitteln gereist ist. Sein Gepäck: Ein Handgepäckkoffer mit paar Klamotten und einem Schlafsack, eine kleine Umhängetasche und ein Rucksack mit seinem MacBook. Er kann als Informatiker von überall aus arbeiten, dass einzige, was er benötigt ist sein Mac und WiFi. Wir haben ihn bei den Nashörnern kennengelernt. Da er unbedingt ein Game Drive machen wollte, aber die offiziellen Game Drives von den Anbietern allesamt viel zu teuer sind, haben wir entschieden, ihn im Queen Elisabeth mit auf einen Drive zu nehmen!

So treffen wir ihn in Fort Portal am Markt, quetschen ihn auf die eigentlich schon volle Rückbank und fahren gemeinsam Richtung Süden, und schließlich über den Äquator.

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Unser Ziel ist Ishasha, ein Gebiet ganz im Süden des Queen Elisabeth National Parks, in dem wissenschaftlich erwiesen Löwen auf Bäume klettern! Die wollen wir natürlich unbedingt sehen.

Wir quatschen viel und lernen uns während der Fahrt immer besser kennen. Wir erfahren, dass es zwar relativ billig und simple ist, in Uganda mit Taxibussen und Boda-Boda zu reisen, jedoch auch total nervenaufreibend. Die Taxisbusse fahren erst los, wenn der Bus wirklich voll ist (und in so einen Toyota Hiace passen seeeehr viele Leute). Sobald der Bus dann unterwegs ist, fährt er alle paar Minuten hupend auf die Straßenseite, stets auf der Suche  nach weiteren Mitfahrern. …da ist so ein eigenes Auto doch echt Luxus, wir kommen schnell von A nach B und können unsere Ziele frei nach Wunsch festlegen.

…das hat bis gerade auch noch wirklich gut geklappt. Shit! Es dampft unter der Motorhaube ohne Ende, überall ist Öl verspritzt…. der Motor ist überhitzt!

Mitten im Park, ringsherum nur Savanne, müssen wir den Motor abstellen und sitzen erstmal fest. Jetzt dachte Viktor einmal schnell ans Ziel zu kommen, doch daraus wird wohl wieder nichts… Für uns ein riesen Glück, dass wir einen Gast an Bord haben: Er hat ein Handy mit einer lokalen Sim-Karte und genügend Guthaben dabei. Wir rufen Roadtrip Uganda an, schildern unsere Lage und tatsächlich sollen wir einfach nur warten, ein professioneller Pfuscher ist schon unterwegs… Auch hier ist kurz zu erwähnen wir freundlich die Einheimischen waren. Während wir warten halten die Autos an und bieten alle samt ihre Hilfe an. Ein Herr schaut sogar schonmal kurz unter die Motorhaube und bietet uns an, falls keine „Mechanics“ kommen, uns ins nächste Dorf zu eskortieren. (Alle ohne etwas zu wollen ….)

Keine halbe Stunde später sehen wir ein Boda-Boda mit 3-Man in der Ferne auf uns zukommen. Das ging ja schnell, schneller als jeder ADAC, und das in der völligen Pampa!

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Das Problem ist schnell gefunden: Wie vermutet, der Kühlschlauch ist gerissen. Die Reparatur ist ganz einfach:

  1. Ein entgegenkommenden LKW anhalten, um nach einen Seitenschneider zu fragen,
  2. mit dem Seitenschneider das kaputte Teil des Schlauchs abschneiden,
  3. an dem Schlauch so lange ziehen, bis er lange genug ist um ihn wieder am Kühler festzumachen,
  4. irgendwo eine Klemme abmachen, wo sie nicht unbedingt benötigt wird,
  5. den Schlauch mit  der Klemme festmachen.
  6. 2 Meter nach vorne und 2 Meter nach hinten fahren

–> „It’s okay, you can drive now!“

Erleichtert und ab jetzt mit Blick auf die Temperaturanzeige können wir die Fahrt in den Süden, nach Ishasha fortsetzen. Aus dem abendlichen Game Drive wird jetzt wohl nichts mehr, trotzdem sind wir überhaupt froh, dass es „nichts weiter war“.

 

Der Wecker klingelt früh, wir wollen Kletterlöwen sehen!

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…leider keine Kletterlöwen-Bilder, man kann eben nicht immer Glück haben…

Den Nachmittag verbringen wir im Camp. Das Camp im Ishasha liegt direkt an einem kleinen Fluss, der gleichzeitig die Grenze zum Kongo bildet. Wegen den Unruhen im östlichen Kongo hatten wir letzte Nacht nicht nur einen, sondern gleich drei Security-Leute. Diesmal mit nicht nur Ak-47, sondern gleich ganz schweres Geschütz… keine Ahnung was das für ein Maschinengewehr war. Wir fühlten uns aber sicher, denn den Fluss kann sowieso niemand durchqueren….es wimmelt nur so von Hippos 😀

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Da wir Nilpferde richtig cool finden, retten sie ein bisschen unseren Tag und so vergessen wir fast unser Pech bei der Löwensuche.

Am Abend verabschieden wir uns schon wieder von Viktor, sein Visum läuft nur noch einen einzigen Tag, er muss schleunigst noch weiter südlich nach Ruanda! Da haben wir es schon viel entspannter, wir bleiben noch eine Nacht ein paar Kilometer weiter, bevor wir uns am nächsten Tag auch weiter in den Süden machen.

Den „Gorilla-Nationalpark“ Bwindi streifen wir nur, unser Ziel ist der Lake Bunyonyi, ein angeblich Bilharziose-freier „Badesee“, an dem wir endgültig „Urlaub“ machen. Der See hat eine unglaubliche Artenvielfalt an Vögel, ansonsten leben hier jedoch keine „sehenswerten“ Tiere. Hippos oder Krokodile findet man hier nicht. Deshalb unternehmen wir hier nichts, außer reine „Spaß-Aktivitäten“ wie „in der Sonne baden“ oder Kanu fahren. Wir beginnen mit letzerem… Eigentlich sind wir nicht unerfahren im Kanu fahren, da wir zum Beispiel schon in Norwegen mit dem Kanu unterwegs waren, jedoch erwartet uns hier ein ganz neues Erlebnis. Unser Kanu: Ein Einbaum!

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„Arbeitsteilung“

Den restlichen Tag entspannen wir in einer wunderschönen Oase von Campingplatz direkt am See. Wir bauen unser Zelt zwischen Blüten und Palmen auf.

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Der See hat 29 Inseln, wovon fast jede eine eigene Geschichte und Vergangenheit hat. Auf vielen der Inseln sind kleine Lodges und Campsites gebaut worden, um den Tourismus ein bisschen anzukurbeln. So entscheiden wir uns, ebenfalls die nächsten zwei Nächte auf einer dieser Inseln zu übernachten. Auf der Bootstour zur Insel bekommen wir für einen kleinen Aufpreis eine kleines Rundfahrt und erfahren so ein bisschen mehr über verschiedene Inseln. So fahren wir zum Beispiel an einer Insel vorbei, auf der bis vor kurzem eine Lepra-Kolonie gelebt hat. Erst als in den 80ern ein Mittel gegen Lepra gefunden wurde, konnten die Menschen die Insel verlassen. Eine weitere Insel diente als „Bestrafungsinsel“

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Die Bestrafungsinsel…sieht gruselig aus, die Geschichte dahinter ist noch gruseliger…

Nicht verheiratete, schwangere Frauen wurden auf der Insel ausgesetzt. Die Frauen waren eine „Schande“ für die Familie und wurden so auf der kleinen Insel zum Sterben ausgesetzt. Viele der Frauen verhungerten, wenn sie nicht von noch ärmeren Männern, die sich keine Frau leisten konnten, als „kostenlose Braut“ heimlich mitgenommen wurden. Heute betritt kein Ugander die Insel freiwillig, anscheinend liegen noch heute die Knochen vieler Frauen auf der Insel…

(…)

Die nächsten zwei Tage nutzen wir einfach, um am Steg direkt am See auf Liegestühlen die Sonne und das warme Wetter zu genießen. Das fühlt sich gut an! Fast wir Urlaub! 😉

Auf den Liegestühlen machen wir „Liegesafari“. Einfach liegen und schauen, was alles um uns herum passiert. Tatsächlich machen wir einen neuen Fund, ein besonderes Tier, das uns bisher noch gefehlt hat: Der Wappenvogel Ugandas, der Kronenkranich!

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Plötzlich steht er da, wir suchen ihn schon die ganze Reise: Der Kronenkranich
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Direkt am Steg besucht uns die Inselkatze. 🙂

 

Der südlichste Punkt unserer Reise haben wir nun erreicht. Unser Kreis den wir fahren schließt sich langsam. Ab jetzt geht es wieder nach Norden, zurück nach Entebbe, zurück Richtung Flughafen. Die Zeit passt perfekt, noch drei Nächte bis wir in Entebbe sein „müssen“, um die letzten drei Nächte vor Johannas Rückflug im Hotel zu „akklimatisieren“.

Die erste Nacht auf der Rückkehr verbringen wir im „Eagles Nest“, ein Campground auf einem Hügel direkt am Lake Mburo NP, doch gerade außerhalb des Parks, damit wir keine 40 USD pro Kopf Eintritt zahlen müssen. Das Geld wollen wir uns lieber sparen und vom Hügel aus haben wir einen wunderschönen Weitblick über den kompletten Nationalpark. Wir packen unsere Super-Zoom-Kamera und Mannis Fernglas aus um aus der Ferne Tiere zu beobachten. Mit Erfolg: Von hier oben finden wir viele Antilopen und sogar einige Zebras. Mit Chapatis, frischer Guacamole und Kartenspiel (Johanna holt beim Romé auf… 😦 ) genießen wir den Abend und den Weitblick.

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Zur nächsten Nacht fahren wir zum nächsten See. Der Lake Nabugabo liegt ziemlich genau auf unserem Weg, und iOverlander verspricht uns einen schönen Campground… Auch dieser See soll bilharziosefrei sein, so finden wir viele Locals beim Baden. Irgendwie drückt das Wetter, es ist sobald die Sonne rauskommt extrem heiß, also versuche ich mich auch mal ein bisschen abzukühlen…

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Da Wasser ist wirklich nicht das sauberste, also wird es nur ein „kurz rein und wieder raus“ -Bad… Kurz abgeduscht für das gute Gewissen (wobei die Duschen wahrscheinlich mit dem selben Wasser versorgt werden) setzen wir uns gemeinsam an den Sandstrand und beobachten die Locals. Direkt neben uns versammelt sich plötzlich eine Gruppe von vielleicht 20 jungen Erwachsenen, die zusammen anfangen zu singen und schließlich zu beten. Wenige Minuten später laufen alle ein paar Meter ins flache Wasser, zwei Männer vorraus… Wir werden Zeuge einer kleinen christlichen „Massentaufe“…

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Es ist spannend zuzusehen, doch als kurz danach der Mann in rot zu uns rüber kommt und uns erzählt wie toll Gott ist, denke wir uns unseren Teil und ziehen uns zurück…

 

Die dritte und letzte Nacht vor Entebbe steht bevor und wieder lassen wir uns von iOverlander zu einem Campground direkt vor Entebbe leiten. Nur durch die Hilfe von Locals finden wir den noch nicht geöffneten Campground, an dem noch schwer gearbeitet wird. Trotzdem dürfen wir die Nacht bleiben und die freundliche Besitzerin gibt uns den Tipp einer kleinen Bootsfahrt durch den Mabamba-Swamp. Gesagt getan, fahren wir mit einem kleinen Bötchen durch ein Sumpfgebiet…auf der Suche nach dem ach so besonderen Schuhschnabelstorch! Wir amüsieren uns, beobachten spielende Otter ums Boots herum und sind keineswegs traurig, dass wir diesmal den Storch nicht finden!

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Es wird bemüht gesucht… Wir sind zufrieden mit Landschaft, kleinen Kanälen und Ottern…

 

Der Kreis schließt sich, unsere Reise neigt sich dem Ende zu, wir sind zurück in Entebbe. Zu Johannas Geburtstag gab es für die letzten drei Nächte ein (für uns) Luxus-Hotel direkt neben dem botanischen Garten in Entebbe. Nach vier Wochen am Stück ohne Ausnahme im Zelt, kalten oder gar keinen Duschen geschweige denn Internet, genießen wir die letzen Tage im europäischen Standard-Luxus.

Am Freitag um 5 Uhr in der Früh heißt es Abschiednehmen… Johanna fliegt nach Hause, ich empfange am Sonntag am Flughafen Kommilitonen und Professor von der Uni und beginne die Großraum-Pflichtexkursion meines Geographiestudiums.

Doch bis dahin wird unsere Haut von Tag zu Tag dunkler,

viele sonnige Grüße,

Johanna und Lukas

2 Kommentare

  1. Da kann ich Manni nur zustimmen. Mit eurem Blog seid ihr die Sympathieträger*innen für das Land. Habt ihr schon ein Angebot bekommen? 😉

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