Murchison Fall National Park

Der Weg vom Kidepo NP zum Murchison Falls NP ist mit ca. 300 Kilometern eine ziemlich große Entfernung, eine (aus unseren Erfahrungen heraus) zu große Entfernung für einen Fahrtag. In der iOverlander App können wir aber leider keinen schönen Campingspot zwischen den Nationalparks finden, deshalb fragen wir die Norweger, ob sie vielleicht einen Tipp haben, da sie gerade den umgekehrten Weg gefahren sind. Die Antwort kommt schnell: „JO, JO, JO,… you can easily drive there in one day! The roads are VERY good!“ … Alles klar, dann probieren wir es eben an einem Tag bis zum nächsten NP.

Tatsächlich sind die Straßen sehr gut, sogar so gut, dass wir schon früh in Gulu, einer größeren Stadt kurz vorm Park einen Stop einlegen können und gemütlich unsere Vorräte auf dem Markt auffüllen. Mit frischen Avokados, Bananen, Mangos, Tomaten  und ganz wichtig: Chapatis (Fladen) geht es weiter Richtung Murchison Falls NP.

Unser Plan war eigentlich, im Murchison NP etwas zu ruhen und Energie für die Weiterfahrt zu sammeln, aber die 40 USD pro Person pro Nacht Nationalparkgebühren verwerfen schnell diesen Plan… Da der Park jedoch der größte seiner Art in Uganda ist und von trockener Savanne bis Regenwald und zwischendrin den Nil bietet, beißen wir in den sauren Apfel und bleiben immerhin 3 Nächte im Park. Der Plan sieht folgendermaßen aus:

  1. Tag: Angekommen
  2. Tag: Bootstour zum Nildelta (vom Lake Albert, nicht Mittelmeer, versteht sich… 😉 ) und den restlichen Tag … chillen!
  3. Tag: Game Drive am Morgen, Bootstour zum Wasserfall am Nachmittag
  4. Tag: Abreise (bis spätestens 12 Uhr da sonst nochmal 40 USD für den angebrochenen Tag fällig werden)

 

Erster Tag

Ähnlich wie schon im Kidepo: Wir fahren über die Parkgrenze und direkt hocken links und rechts alle möglichen Antilopen in den Wiesen. Der Murchison packt sogar noch einen oben drauf. Ein paar hundert Meter hinter der Grenze können wir erstmal nicht mehr weiterfahren, die Straße ist blockiert!

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Eine Giraffe läuft ganz gemütlich die Straße hinunter, bis sie irgendwann links in eine Wiese abbiegt, wo sie ihre Freunde im Schatten findet. So nah und einfach konnten wir bisher noch keine Giraffe beobachten.

Der Park wird durch den Nil in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt. Der nördliche Teil ist eher von Savanne geprägt und gleicht in etwa von der Vegetation dem Kidepo NP, ist also perfekt für ein Game Drive und Safari geeignet. Der südliche Teil ist feuchter, deshalb gibt es hier große Waldflächen, in denen zum Beispiel viele Primaten zu finden sind. Am Nil leben alle möglichen Wassertiere, wie Nilpferde (also echte NILpferde 😉 ), Krokodile und viele Vogelarten. Auf die Hippos und Krokos freuen wir uns ganz besonders, da diese sonst nirgendwo in Uganda zu finden sind.

Da wir vom Norden aus in den Park gefahren sind, aber alle Lodges und Campspots am Nil entlang auf der südlichen Seite des Parks gelegen sind, müssen wir erst durch den kompletten nördlichen Teil hinduchfahren. Am Nil angekommen geht es dann schnell mit einer Fähre über den Nil ans andere Ufer und schließlich zu einem Campspot. …denke wir, bis wir am Nil angekommen sind. Die Fähre fährt nur alle zwei Stunden!! …und natürlich haben wir gerade die letzte verpasst und müssen circa 1 3/4 Stunden auf die nächste Fähre warten… na toll.

Beim Warten bekommen wir einen ersten Eindruck vom „Tourismus“ im Park. Wir sehen so viele „Musungus“ wie die komplette letzte Woche nicht. Direkt erinnern wir uns zurück an den „schönen leeren“ Kidepo im Norden… Als dann auch noch „Pumbas“ bis zwischen unsere Beine kommen, verlieren wir unseren Glauben. Im Kidepo sind diese beim kleinsten Motorgeräusch mit gehobenen Schwanz weg gerannt, hier wurden sie (denke wir mal) gefüttert und an den Menschen gewöhnt…

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Der Tourismus hat dennoch auch seine Vorteile. Auf der anderen Uferseite angekommen, finden wir eine wunderschöne Anlage mit Lodges und einem Campground. Wir campen zwar mit unserem eigenen Zelt und bezahlen auch dementsprechend, dürfen aber die komplette Anlage (inc. Pool) mitbenützen. Geilo! Die Anlage ist wunderschön, wahrscheinlich die Schönste, die wir bisher besucht haben.

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Ich habe Zeit und WI-FI, um den Blog zu aktualisieren 😉

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Zweiter Tag

Der Wecker klingelt früh, wir treffen uns noch vor Sonnenaufgang am Nil zu der Bootsfahrt zum Nildelta. Der Guide erklärt uns, dass die Fahrt zum Delta nur unternommen wird, um den ach so seltenen „Schuhschnabelstorch“ zu finden. Eigentlich freuen wir uns vielmehr auf die Krokos und Hippos, aber ein Storch ist ja auch bestimmt schön… 😀 Mit einer kleinen Nussschale geht es los Richtung Delta. Mit einem wunderschönen Sonnenaufgang im Nacken fahren wir flussabwärts an Nilpferdfamilien, Krokodilen, unzähligen Vögeln immer weiter, bis wir schließlich tatsächlich den Storch finden und fotografieren können. Unser Fazit: Die Hippos sind cooler!

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Sonnenaufgang überm Nil

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Der „Nilwaran“ wird bis zu 2 Meter groß und frisst Krokoeier!

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Da ist er: Der Schuhschnabelstorch

 

Dritter Tag

Der Wecker klingelt wieder kurz vor 6, wie ätzend ist das denn. Das ist unser erster Gedanke im Zelt, doch sobald wir die Zelttüre öffnen, ist dieser sofort wieder vergessen! Bei so einem Sonnenaufgang, so kitschig er auch ist, ist alle Müdigkeit vergessen.

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Es geht los auf ein Game Drive. Unser Ziel: Leoparden. Wir haben von vielen gehört, dass die Chance hoch ist, hier im Murchison Park Leoparden zu beobachten. Eine Angestellte in der Lodge konnte uns gute Tipps geben und hat uns die optimale Route in unserer Karte eingezeichnet. Die Wildkatzen liegen meistens auf großen Ästen in Bäumen. Der „Sausage-Tree“, auf deutsch Wurstbaum, weil die hängenden Früchte wie Würste aussehen, ist der Lieblingsbaum der Leoparden, also müssen wir hier besonders aufmerksam sein.

Mit den Köpfen stets nach oben gerichtet, fahren wir durch die Landschaft, leider ohne großen Erfolg. Wir können, so sehr wir uns auch anstrengen und an so vielen Bäumen wir auch vorbeifahren, keine Leoparden finden. Plötzlich sehe ich jedoch, wie mich 2 junge Katzenaugen aus einem Busch aus anglotzen. Johanna stoppt sofort, fährt einen Meter zurück und WUSCH …. rennt die Katze davon. Zuerst dachte ich es wäre ein kleiner Löwenkopf gewesen, doch einer der einen kleinen Sekunde, in der der Kleine wegrennt erkennen wir das gefleckte Muster deutlich: Ein kleine Babyleopard! Natürlich konnten wir ein der schnellen Sekunde kein Bild schießen, trotzdem ein kleiner Erfolg für uns.

Man stumpft ganz schön schnell ab, jetzt hört es sich so an, als hätten wir nichts gesehen. In Wahrheit standen unzählige Antilopen rechts und links auf den Wiesen. Die eine schöner als die andere, große und kleine, sogar kämpfende Antilopen. …und so viele Giraffen. Wo sie in Kidepo ziemlich selten sind, sieht man sie hier überall. Es waren bestimmt an die 30-40 Giraffen, die wir im Laufe des Game Drives beobachten konnten. Diese großen Tiere sind wirklich unglaublich. Elefanten zwar in kleiner Zahl, trotzdem sind uns auch hier wieder die schönen afrikanischen Elefanten mit den großen Ohren begegnet. Wovon wir auch die größten Fans sind: Affen!

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Am Nachmittag geht es wieder aufs Boot, diesmal aber flussaufwärts zum Wasserfall. Der Fall an sich ist nicht so der Bringer, wird hier aber als der „stärkste Wasserfall der Welt“ bezeichnet. …wir schmunzeln…  Die Tierwelt auf der Fahrt beeindruckt uns da schon vielmehr. Nochmal viel mehr Krokodile wie flussabwärts und wieder Nilpferde ohne Ende. Uns macht es Spaß  den schweren Tieren beim Schwimmen und Tauchen zuzuschauen. Richtige U-Boote! 😀 Überall am Ufer entlang wimmelt es auch nur so von bunten Vögeln. Am meisten macht mich natürlich der Seeadler an. 😉

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Natürlich müssen wir viel Geld auf den Tisch legen, aber im Nachhinein sind wir doch total glücklich. Die Erfahrungen und Eindrücke sind es dann doch einfach Wert.

Jetzt, südlich des Nils wird es immer feuchter und grüner. Die Vegetation und die darin lebende Tierwelt verändert sich deutlich. Wir haben noch lange nicht alles gesehen!

 

Wir haben schon mit bekommen, dass zu Hause gerade eine Kältewelle die Runde macht, deshalb diesmal besonders warme Grüße vom Äquator nach Hause,

Johanna und Lukas

 

2 Kommentare

  1. Super – mein geliebter Schuhschnabel! Vielleicht nicht für euch – aber für mich ein Highlight 😄
    Wieder ein toller Bericht und großartige Bilder.
    Liebe Grüße und noch weitere schöne Tage wünscht
    Henning

    Liken

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